Sommer 1995

Abschrift des handschriftlichen Reiseberichts von 1995. Die Rechtschreibung ist an die neue Schreibweise angepasst. Der Schreibstil wurde weitestgehend unkorrigiert übernommen.
Juni 2026
Reiseverlauf
1.7.1995
Nun, auch wenn das letzte Jahr wieder etwas feucht war - es muss wieder
sein. Diesmal allerdings mit Carlchen IV, unserem neuen \(\mu\)Wohnmobil. Man wird halt alt, gell !) Aber es steht der Norden, sprich 6000km, auf dem Plan. Das muss echt nicht auf den Moppeds sein. Mit dem Gefühl “hoffentlich bereuen wir es nicht und schauen neidisch auf jedes Schraddel” geht es los nach Fidihavn zur good Ol’Stena, um, wie in guten alten Jugendzeiten, mit der Nachtfähre überzusetzen. Alleine schon die Anfahrt, die nun an einem Tag zu machen ist, entschädigt für 4 statt 2x2 Räder.
Sonntag 2.7.1995
Am Sonntagmorgen verlassen wir in Göteborg um 2:45 die Fähre, um bis kurz vor Trondheim zu düsen. Prima, selbst der Wetterbericht, der nichts Gutes verheißt, kann uns nicht schocken.
Montag 3.7.1995
Geschlafen bis ca. 6:00 wie ein Stein (klar, sind ja auch nach der durch düsten Nacht um 21:00 in die Koje gefallen). Wetter ist besser als befürchtet. Klar es schüttet ab und an, aber kein Vergleich mit den letzten Jahren, obgleich auch die sporadischen Schauer auf den Moppeds eklig wären. Eigentlich freuen wir uns jeden Kilometer über unser geniales Carlchen.
Der Versuch, die vergessenen Frühstücksbrettchen zu ersetzen, scheiter zwar, da in Mosjøn schon um 16:00 der Elch begraben ist, aber dafür kommen wir bis Mo i Rana. Dort können wir gleich die letzte Führung durch die Grønligrotte mitmachen.
Echt Klasse. Nun stehen wir am Gletschersee des Svartisen und Tiger bereitet Käsefondue! vor (Luxus lass nach!) Alle eventuellen Mücken bleiben Dank kompletter Moskitonetzverkleidung draußen. Bis hierher alles 1A! Hier ist es sowieso klasse. Man darf auf dem Parkplatz campen, für nur 20 NOK, hat dafür aber den Luxus eines Wasserhahns, eines Plumsklos und einer Autowaschanlage (Hochdruckschlauch, hoch - naja). Man will sein Heim ja rein und fein haben. Nee wirklich, die Hecktür kann man kaum noch anfassen () wie sähen jetzt wohl Moppeds und Ortliebbeutel aus?)
Nun ist schon Do und allerhand passiert:
Dienstag 4.7.1995
Wir sind von Mo i Rana wie die besengten weiter gedüst mit Ziel Narvik. Dort sind wir ca. 21:00 mit der echt Schwyzer Seilbahn auf den Berg gedüst. Der Typ, der mit uns fuhr, hat fast an jeder Stütze ’nen Infarkt gekriegt, warum tut er sich sowas bloss an? Oben angekommen gab es natürlich Aussicht pur, aber Mücken\(^5\) (sprich Mücken hoch fünf).
Also wieder runter und noch ein Stückchen weiter. Tja, kein Campingplatz weit und breit, dann ein paar indiskutable. Nun dächten wir so bei uns, fahren wir halt nach Setermoen. Gaaanz falsch, dort ist Moppedtreff d.h. Finn Rallye. Millionen von Moppeds, alles voll. Die spinnen die Biker. Wir also weiter1 und so kommen wir in nächtlicher Sonne in Bardufoss an. Dort gibt es immer noch jede Menge Biker und den Wasserfall Målselvfossen und die längste Lachstreppe mit einem glücklicherweise noch nicht eröffnetem Lachsaquarium (Glücklicherweise, weil es einfach so offen war, wir als gaanz alleine zwei Lachse für uns hatten, nein, nicht zum Essen). Nachdem wir dann alles hermetisch Moskito-sicher abgedichtet haben, haben wir trotz Sonne bestens gepennt.
Rückblick im Rückblick: die oberste Lachtstreppe ließen wir nämlich aus, da ’zig Reisebusse davor standen und uns 80 NOK/
zu viel waren. Am Polarkreis haben wir uns dann aber das Museum, Kakao und Lefser mit Zimt gegönnt.
Mittwoch 5.7.1995
Nach Planung müssten wir heute Abend ankommen. Wir stehen nicht gerade früh auf, erstehen die vergessenen Frühstücksbrettchen und zischen los. Wer sagt eigentlich Nord-Norge sei öd, alle quatsch! Es geht durch sommerliche Täler und karge Fjells (so 300 -500m hoch) an riesigen Fjorden und den Lyng-Alpen vorbei nach Alta. Zwischendurch wurde noch Laks fürs Abendessen gebunkert. In Alta besuchen wir kurz das Museum und die
-Malereien. Man könnte sich dort viel länger aufhalten, aber es ist 19:00 als wir loskommen.
Um 21:30 stehen wir an der Fähre nach Honningsvåg. Hier tobt noch der Bär, auch wenn die Hetzerei nichts genützt hat - das Wetter wird immer schlechter, passend zum Breitengrad. Um ca. 23:30 erreichen wird das Kap Eintritt 130 NOK/
, aber nur 80 für Studis (das ist in
echt nett).
Man hält es kaum aus, der ganze Parkplatz voll mit Womos,Bussen, PKWs, total erfrorenen Moppedfahrern und Radlern. Und drinnen dann eine Stimmung wie im Restaurant am Ende des Universums. Der totale Betrieb, jetzt wissen wir auch warum der Eintritt nach 18:00 teuer ist. Aber eigentlich alles überflüssig, denn die Sonne und der Horizont verschwinden hinter dichten Nebelschwaden und Schauern bei 4 °C. Aber es ist eben trotzdem beeindruckend. In der Grotte werden wir mit Grieg empfangen, die gleiche CD, die wir schon auf dem Weg von Honningsvåg gehört haben. Man hat eben Stil. Und in dieser Anhalter-Stimmung muss dann auch erst einmal ein pangalaktischer Donnergurgler her. Was würde besser passen als ein Linie Aquavit? “Die Freiheit nehm’ ich mir”2, Visa sei Dank. Dieses mal musste ich nämlich bezahlen, da Tiger seine Karte an der Kasse vergessen hat. Schon lustig, wenn man am Nordkap gleich per Lautsprecher ausgerufen wird. Um 0:30 geht’s dann noch in das tierische Rundkino. Kommt gut mit Aquavit auf nüchternen Magen. Nun, der Lachs muss wohl warten. Aber bei ca. 3 °C wird er sich auf dem Autodach schon halten. Um 1:30 fallen wir dann in die Schlafsäcke nachdem der Tiger seine Karte abgeholt hat.
Donnerstag 6.7.1995
Morgens um 9:00 ist der ganze Spuk vorbei, es ist alles ruhig, sogar das Wetter hat sich kurzfristig beruhigt, so dass wir den Horizont sehen können.
Nach einer weiteren Fotosession und 13! Postkarten geht es Richtung Hammerfest. Auf dem Weg dorthin wird nun endlich der Lachs gebraten, mmh! Nach toller Strecke und gutem, windigen Wetter (ca. 10 °C) kommen wir in Hammerfest an und werden Mitglieder im Isbjørnklubben, toll! Nun sitzen wir hier auf dem Campingplatz, werden gleich noch Nudeln kochen und davon träumen, die nördlichste Stadt Europas besucht zu haben - beeindruckend.
Nun ist es schon wieder Montag und das Scheisswetter hat uns mal wieder. In
tobt die Hitzewelle in Süd-
scheint die Sonne und wir haben gar nichts von den Lofoten gesehen. Aber der Reihe nach
Freitag 7.7.1995
Freitag früh verlassen wir Hammerfest in Richtung Tromsø.
Die Tour per Hurtigrute wird aus finanziellen Gründen gestrichen, da wir ja auch noch Moskenes-Bodø fahren wollen (Da wo wir dann gar nichts gesehen haben). Wir kommen also Freitagabend in Tromsø - dem Paris des Nordens - an. Wenn det Paris sein soll, na dann gute Nacht. Das Tromsø-Museum hat bis 22:00 geöffnet, also hinein. Leider stört ein Reisebus aus Österreich die Ruhe. Ansonsten ist das Museum billig, aber so ist es dann auch. Eines von der Sorte - spätestens nach einer halben Stunde fallen die Augen zu, zumal es auch keine anständige englische Beschriftung gibt. Da der Campingplatz in Tromsø völlig überfüllt ist, fahren wir zum nächsten etwas weiter nördlich. Der ist dafür toll. Glücklicherweise ist das rollende Hotel, das schon in Hammerfest auf dem Platz stand, Richtung Süden gefahren. Das rollende Hotel ist ein Bus-Anhänger mit ca. 50 Schlafboxen. Dementsprechend hat auch das Publikum schon einen Schaden. Ach ja, die Eismeerkathedrale haben wir dann auch noch besichtigt. Sie sieht im Winter bestimmt toll aus, da das Licht von innen durch die Platten scheint. Jetzt im hellen ist es dann doch mehr der Baustil der 60er.
Sonnabend 8.7.1995 -Mittwoch 12.7.1995
Sonnabend fahren wir dann nochmal zum Shoppen nach Tromsø. Auch jetzt kein Paris. Nur die Shrimps, die später ins Rührei wandern, sind prima. Das Planetarium fällt aus, da die geplante Führung um 13:20 auf norwegisch ist. Das hätte das Reisehandbuch auch schreiben können. Also auf zu den Lofoten. Nun, wir campen einmal noch auf den Vesterålen, das Wetter ist Scheisse und dann auf den Lofoten3, das Wetter wird schlimmer und weder das Wikingermuseum noch die Glashütte oder das Fischerdorfmuseum halten, was in den Reiseführern steht. Von wegen selber Backen oder beim Schmieden zusehen oder Fisch nach Wikingerart essen oder Wikingerboot rudern. Alles Beschiss für ein Höllengeld. Wenngleich das Fischerdorfmuseum in Å auch so ganz nett ist. An den Stockfisch wagen wir uns allerdings nicht ran. Das Zeug stinkt ganz bestialisch und alle Leute, die ihn essen (die futtern das Zeug hier aus kleinen Tüten wie Popcorn) auch. Nee, also Fisch, der so riecht, den rühren wir nicht an.So nehmen wir denn um 17:30 (Montag 10.7.1995) die Fähre nach Bodø und es lohnt nicht einmal ein Blick nach draussen. Die Wolken bilden quasie Nebel, es hat ca. 7°C und alles ist nass.
So sitzen wir nun im Auto und reißen Kilometer ’gen Süden, einerseits, weil dort das Wetter besser sein soll (glauben wir noch nicht, warten es mal ab bis wir, die Regengötter, da sind) andererseits um unseren rollenden Wäschetrockner am Laufen zu halten. Gebläse auf Stufe 3 und alles ab durch die Mitte nach hinten. Regenjacken und Duschhandtücher, Regenhosen und Boots haben die Luftfeuchtigkeit doch etwas arg steigen lassen., so dass sich die Schlafsäcke auch nicht so anfühlen als würden sie gegen die sagenhaften 9,5°C schützen (außerdem regnet es noch immer).
Des Nächtens kommen wir beim Polarkreiscamping an. Schnell noch gemampft und ab auf’s Öhrchen. Die nächsten zwei Tage gehen ähnlich. Wir fahren zwar teilweise in der Sonne, es wird auch wärmer, aber wir müssen weiter vor dem Tief flüchten. Ach ja, wir sind noch zum Loch von Torghatten gewandert, jenem versteinerten Hut von Torg.
Donnerstag 13.7.1995
Heute besuchen wir kurz Trondheim, um in Richtung Åndalsnes zu düsen. Das Wetter ist warm (fast zu warm, aber wir wollen ja nicht meckern, aber die Stirnhöhlen mögen erstmal keine 20°C und Sonne ergo Kopfschmerzen). Nun merkt man, dass Nordnorwegen eben doch arktisßches Klima hat. Wir sitzen also nunmehr den dritten Tag bei gutem Wetter Auto, jedoch quasi ohne Chance etwas anders zu machen, da die Tiefs um uns herum laueren. Nun (17:46) bewölkt es sich auch schon wieder.
Wir campen dieses Mal kurz vor Åndalsnes direkt am Fjord. Prima Ausblick aufs Wasser, Lagerfeuer, Tee etc. und sogar das Wetter spielt mit. Ist nu’ so richtig Urlaub, und morgen werden wir mal wieder Runde besuchen, weil es da so schön ist.
Freitag 14.7.1995
Nun, Runde fällt dann doch aus. Es sieht nach Regen über der See aus. Wir biegen kurzerhand und kurzentschlossen Richtung Valldal ab, um am Fuße der Trollstigen zu campen. Aber dort ist Wühli. Also ab nach Eidsdal mit der Fähre. Aber auch am Fuße der Adlerstraße - Wühli. Wir landen schließlich im Wühli in Eidsdal direkt an der Fähre auf dem etwas arg vollen Platz. Ansonsten ist es schön, Wetter spiel auch mit. Nur die dröhnende Fähre stört etwas die Idylle. leider schlägt dann auch noch der Versuch fehl, Pfannkuchen auf Gas zu kochen. Also entweder eine richtige Pfanne oder Spiritus. Die “Spinner” (Radwanderer) nebenan aus NL lachen sich bestimmt ’nen Ast. Aber sie haben auch ’nen Spiritus-Trangia dabei, da sie per Fly da sind. Dann gibt es eben Nudelpampe.
Sonnabend 15.7.1995
Am Sonnabend geht’s dann über Geiranger zum Dalsnibba. “Dass die Leute aber auch so ehrfurchtsvoll trödeln müssen. So kommt man nie nicht voran”. Die Sicht ist besser als letztes Jahr, so dass es sich mal gelohnt hat.
Bei Stryn besuchen wir noch das Nationalparkcenter Jostedalsbreen und biegen ins Oldendal (Briksdal) ab. Dort ist wider erwarten kein Wühli. und bis auf den Regen, der uns mitten auf dem See voll erwischt ( wir haben mal wieder hohen Unterhaltungswert) ist es klasse hier. Ja, wir waren auf dem See rudern, d.h. Tiger rudert und Bär passt auf. Gerade fliegen zwei Bats vorbei. Nein, keine Båts. Und dann waren wir noch ein Stück Richtung Wasserfall unterwegs, aber als wir schon völlig aus der Piste sind, ist der olle Platsch noch kein Stück näher. So werden denn noch ein paar Ziegen geneckt und geduscht.
Sonntag 16.7.1995
Es geht nach Briksdal, … und das auf ’nem Sonntag. Millionen von Japanern werden mit Pferdekutsche samt Wolldecke (mitbezahlt ist mitbezahlt und das bei 22°C und Sonne) nach oben gekarrt. Wir flitzen zu Fuß hoch und laufen dann am Gletscher abseits des Wühli noch ein Stück. Irgendwie sind all Gletscherzungen gewachsen. Der Melkbreen und der Flatbreen hängen tiefer als 1991 und der Gletschersee vom Briksdal ist viel kleiner geworden. Es ist toll, die Sonne scheint, sogar ich kann mal im
-Hemd durch die Gegend laufen. Nachmittags wird kräftig gelungert und Tiger nimmt ein Bad im Gletschersee. Abends fängt es dann an zuschütten.
Naja, vermutlich fahren wir morgen ’gen Heimat.



















































































